08.07.2026

Effizienz im Student Living

Wie Wachstum ohne Miethebel gelingt

Enis Bayik, COO und CMO, Home & Co Management GmbH
Enis Bayik

Der Miethebel stößt im Student Living an seine Grenzen. Eine hohe Auslastung allein sichert keine stabilen Erträge mehr. Wie Betreiber darauf reagieren können, erläutert Enis Bayik, COO und CMO von Home & Co.

Das Mietsteigerungspotenzial im Segment Student Living ist in Deutschland weitgehend ausgeschöpft. Mit Zuwächsen von nur noch drei bis fünf Prozent stoßen Betreiber an die Zahlungsgrenzen ihrer Mieter. Damit endet ein Geschäftsmodell, das über viele Jahre hinweg gut funktioniert hat: Regelmäßige Mieterhöhungen als zentraler Hebel zur Ertragssteigerung. Wer den Hebel jetzt nicht wechselt, gerät unter Druck. Denn in den nächsten zwei bis drei Jahren erwarten wir eine spürbare Konsolidierung des Marktes. Der wirtschaftliche Erfolg wird dann vor allem operativ entschieden – über Kostendisziplin und Ertrag je Bett.

Genau hier zeigen sich in der Praxis deutliche Defizite. Viele Betreiber arbeiten weiterhin auffallend analog, mit Folgen in zwei Richtungen: Die Betriebskosten je Bett laufen aus dem Ruder und es fehlt die Grundlage, das Geschäft überhaupt skalierbar weiterzuentwickeln. Strukturen sind häufig dezentral organisiert und führen zu personalintensiven Abläufen. So etwa, wenn Mietverträge, Schlüsselübergaben oder Zahlungsabgleiche standortindividuell und manuell bearbeitet werden. Vielfach fehlt es an datenbasierter Steuerung, sodass zentrale Prozesse nicht sauber ineinandergreifen. Weitere Faktoren wie inkonsistente Mietinkasso-Verfahren, reaktive Instandhaltung oder ungenutzte Erlöschancen – beispielsweise Leerstand in den vorlesungsfreien Sommermonaten, der sich über Kurzzeit- oder Gruppenvermietung schließen ließe – erschweren die Situation. Mit steigenden Lohn- und Betriebskosten werden diese Ineffizienzen zunehmend zum Problem. Das Ergebnis ist wachsender Margendruck, obwohl die Auslastung vielerorts über 95 Prozent liegt.

Die Antwort liegt in einer grundlegenden Professionalisierung der operativen Strukturen. Erforderlich sind zentralisierte Plattformen, die Vermietung, Betrieb und Steuerung bündeln. Digitale Buchungssysteme spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie beschleunigen Abläufe und ermöglichen oft erst Buchungen aus dem Ausland durch eine zunehmend internationale Zielgruppe. Zudem ist eine vorausschauende Instandhaltung notwendig, um Betriebskosten dauerhaft unter Kontrolle zu halten, so etwa wenn Heizungen, Aufzüge oder Sanitärinstallationen turnusmäßig statt im Störfall gewartet werden. Kosten sind systematisch, idealerweise über Benchmarks je Bett, zu steuern. Die aggregierte Auslastung tritt als Steuerungsgröße in den Hintergrund. An ihre Stelle tritt die Transparenz je Bett: Jedes einzelne Bett muss als eigenständiges Profitcenter geführt werden und ist damit der entscheidende Hebel für stabile Erträge.

Die Zeit des Miethebels ist vorbei. Jetzt entscheidet der Betrieb. Wer hier nicht liefert, wird Teil der Konsolidierung.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Home & Co
Erstveröffentlichung: IZ, Mai 2026

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