Frau Werner, ist das Verhältnis zwischen Mietern und Vermietern eher schlechter oder eher besser als es öffentlich scheint? Und wie hat es sich in den vergangenen zehn Jahren verändert?
Ich tue mich immer schwer damit, Vermieter:innen und Mieter:innen über einen Kamm zu scheren. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle funktioniert es gut zwischen Mietern und Vermietern. Naturgemäß bekommen wir im Berliner Mieterverein die Fälle mit, in denen es hakt und Mieter:innen Unterstützung in der Auseinandersetzung mit ihrem Vermieter benötigen. Dennoch verleitet mich das nicht zu der Einschätzung, dass das Verhältnis zwischen Mietern und Vermietern immer schlecht sei. Auffallend ist allerdings, dass in den vergangenen zehn Jahren eher eine Anonymisierung stattgefunden hat und Mieter:innen oft gar nicht mehr in direktem Kontakt mit ihren Vermietern stehen. Auch sind die Fälle, in denen das Verhältnis wirklich zerrüttet ist, noch einmal drastischer im Einzelfall geworden. Zum Beispiel in der Habersaathstraße, wo der Vermieter alle Register zieht, um die Mieter:innen aus dem Haus zu bekommen.
Was sind die aktuell häufigsten Konfliktthemen zwischen Mietern und Vermietern?
Gegenstand unserer Beratungen sind meistens nicht korrekte Betriebs- und Heizkostenabrechnungen oder überhöhte Mieterhöhungen bzw. Verstöße gegen die Mietpreisbremse. Häufiger ist auch das Problem, dass Wohnungsunternehmen und Vermieter nicht auf Mängelanzeigen von Mietern reagieren und untätig bleiben.
Wenn der Vermieter eine Kernsanierung plant, was sollte er am Anfang besonders beachten? Und wo liegen die größten Fehler?
Eine Kernsanierung stellt meist eine Modernisierungsmaßnahme dar, die rechtzeitig den Mietern angekündigt werden muss. Bei so großen Vorhaben empfiehlt sich aus unserer Sicht, frühzeitig den Kontakt zu den Mietern zu suchen, über die geplante Maßnahme zu informieren und zu prüfen, wie mit Mieter:innen umgegangen werden kann, die durch die mit der Modernisierung oft einhergehenden Mieterhöhung überfordert sind.
Gutes Personal ist schwer zu bekommen. Haben Sie Verständnis, wenn ein Vermieter bei Fehlern in der Abrechnung oder mangelhafter Instandhaltung Kapazitätsengpässe ins Feld führt?
Fehlendes gutes Personal ist als Begründung in unseren Beratungen noch nicht vorgekommen. In der Sache wird hier ein bisschen mit zweierlei Maß gemessen. Von den Mieter:innen wird schließlich auch erwartet, dass sie – um überhaupt in der Lage zu sein, eine Abrechnung oder Mieterhöhung zu überprüfen - sich inhaltlich mit der Betriebskostenabrechnung oder einer Mieterhöhungen auseinandersetzen.
Kapazitätsengpässe bei der mangelhaften Instandhaltung bzw. Schwierigkeiten, Ersatzteile zu beschaffen, ist als Begründung absolut nachvollziehbar. Aber dennoch ist es auf der anderen Seite nicht gerechtfertigt, dass Mieter.innen dann die volle Miete für weniger an Gegenleistung (Bereitstellung einer vertragsgemäßen Wohnung) zahlen sollen. Wo der Kontakt gesucht wird, kann für solche Fälle sicher immer ein für beide Seiten tragbare Lösung gefunden werden.
Was zeichnet aus Ihrer Sicht einen guten Vermieter aus?
Verlässlichkeit, Transparenz und gute Erreichbarkeit/Kommunikation sowie das Bewusstsein, dass Mieter:innen nicht Gegner sondern Vertragspartner sind (was im Übrigen auch in umgekehrte Richtung gilt).
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Erstveröffentlichung: The Property Post, Juni 2026