30.06.2026

Käufer brauchen gute Nerven

Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Clusters Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte, Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.
Prof. Dr. Michael Voigtländer

Zur nahen Zukunft des Berliner Wohnungsmarktes und den Auswirkungen der aktuellen Mietenpolitik Herr Prof. Voigtländer, ein Freund möchte ein Mietshaus in Berlin kaufen. Raten Sie ab?
Grundsätzlich ist Berlin ein spannender Standort. Das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre lag jährlich rund 2 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt, Berlin wird über kurz oder lang wirtschaftlich und auch vom Immobilienmarkt an andere europäische Metropolen aufschließen. Investoren brauchen aber gute Nerven und einen langen Atem. Wer beides hat, kann auch erfolgreich sein. Auf Dauer könnte auch Berlin keine scharfen Mietpreiskontrollen aufrechterhalten.

Wie beurteilen Sie die Zukunft privater Vermieter in Berlin?
Es kommt natürlich auf die nächste Landesregierung an. Sollte es ein Linksbündnis werden, ist mit erheblichem Druck zu rechnen, die Vorschläge reichen ja weit: Mietendeckel, Milieuschutz, Renditeobergrenze - der Fantasie scheinen hier keine Grenzen gesetzt. 

Wird hier das Ende der sozialen Marktwirtschaft vorbereitet?
Gerade die Vergesellschaftung stellt einen Tabubruch dar. Die Marktwirtschaft beruht auf Vertrauen. Wenn ich mir als Investor nicht mehr sicher sein darf, dass ich die Erträge meiner Investition realisieren kann, wird dies weitreichende Folgen haben. Die internationalen Beispiele zeigen: es kommt immer zu Kapitalflucht, steigenden Risikoprämien und wirtschaftlichem Einbruch. Und in der Tat: Wer diesen Weg geht, dem geht es nicht um die Mieter, sondern um Ideologie.

Wie wirkt sich die Berliner Mietenpolitik auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt aus?
Berlin profitiert von dem Zuzug vieler qualifizierter Arbeitskräfte - doch wenn diese Menschen aufgrund des fehlenden Wohnungsbaus nicht kommen können, wird auch das Wirtschaftswachstum nachlassen. Die Stärkung des Wohnungsbaus sollte oberste Priorität haben, doch Regulierungen schrecken Investoren immer weiter ab. 

Die Berliner Mietenpolitik hat Vorbildwirkung für andere Städte. Warum?
Berlin ist die Hauptstadt, und es gibt auch in anderen Städten Kräfte, die es den Investoren mal so richtig zeigen wollen. Und der linke Populismus verfängt ja schnell, hohe Mieten verbieten klingt ja ganz einfach - und die Folgen zeigen sich meist erst nach ein paar Jahren. Umso wichtiger ist es, die Folgen - u. a. die Rückwirkungen auf den Neubau und Sanierungen, das Entstehen von Schwarzmärkten und die noch höheren Zugangsbarrieren für junge Menschen- zu thematisieren. 

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von The Property Post
Erstveröffentlichung: The Property Post, Juni 2026

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