Die Reform des deutschen Gesundheitswesens gehört derzeit zu einer der wichtigsten politischen Aufgaben. Ein wichtiger Baustein ist die Ambulantisierung: Medizinische Leistungen, die bislang stationär im Krankenhaus erbracht wurden, sollen künftig verstärkt in den ambulanten Bereich verlagert werden. Angesichts steigender Ausgaben im Gesundheitswesen geht es darum, vorhandene Ressourcen wirtschaftlicher einzusetzen. Der gesundheitspolitische Grundsatz „ambulant vor stationär“ wird damit zunehmend auch zu einer immobilienwirtschaftlichen Frage.
Denn wenn mehr Behandlungen, Operationen und Rehabilitationsleistungen ambulant erbracht werden, braucht es dafür die passende Infrastruktur. Moderne Ärztehäuser, Gesundheitszentren sowie ambulante OP- und Reha-Zentren gewinnen entsprechend an Bedeutung. Für institutionelle Investoren entsteht damit ein wachsendes Immobiliensegment. Neben der politisch angestrebten Ambulantisierung wirkt zusätzlich der demografische Wandel als langfristiger Treiber und macht die Nachfrage nach Gesundheitsflächen deutlich weniger abhängig von klassischen Konjunkturzyklen.
Attraktiv ist vor allem die Ertragsstruktur. Arztpraxen und andere medizinische Dienstleister weisen eine hohe Bonität und ausgeprägte Standorttreue auf. Mietverträge laufen häufig langfristig und sind überwiegend indexiert. Damit entstehen gut prognostizierbare Cashflows mit Inflationsschutz. Hinzu kommt die Möglichkeit, das Mieterrisiko über einen Mix aus Ärzten, Zahnärzten, Physiotherapeuten, Apotheken, Sanitätshäusern und weiteren Gesundheitsdienstleistern zu diversifizieren. Anders als bei betreibergeprägten Sozialimmobilien hängt das Objekt nicht zwingend von einem einzelnen Ankermieter oder Betreiber ab.
In Deutschland gibt es mehr als 4.330 investierbare ambulante Gesundheitsimmobilien; das potenzielle Marktvolumen wird auf mehr als 37 Milliarden Euro geschätzt. Das Transaktionsvolumen von Ärztehäusern und Gesundheitszentren stieg 2025 auf rund 200 Millionen Euro und damit um 121 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch 2026 zeichnet sich ein weiter steigendes Transaktionsvolumen von mehr als 300 Millionen Euro ab. Ambulante Gesundheitsimmobilien werden aktuell im Durchschnitt zu Netto-Renditen von etwa 4,75 bis 6,25 Prozent gehandelt.
Im Vergleich zu klassischen Gewerbeimmobilien ist diese Kombination aus Rendite und Stabilität interessant. Während Büro- und Einzelhandelsmärkte mit strukturellen Veränderungen kämpfen, bleibt medizinische Versorgung eine lokale Grundfunktion.
Ambulante Gesundheitsimmobilien sind deshalb mehr als eine Beimischung. Sie entwickeln sich zu einem eigenständigen Baustein institutioneller Immobilienportfolios – mit planbaren Cashflows und strukturellem Nachfragewachstum.
Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von Westend Real Estate GmbH
Erstveröffentlichung: EXXECNEWS, September 2026