Herr Wohltorf, sind Sie zufrieden mit der Arbeit des aktuellen Berliner Senats?
Nein, das bin ich nicht. Mit dem Schneller-Bauen-Gesetz und dem Einfach-Bauen-Gesetz hat der Senat zwar richtige Dinge angestoßen. Mehr Tempo bei Genehmigungen und einfachere Bauvorschriften fordert der IVD aber seit Jahren und eigentlich sollte das normal sein und nicht besonders. Entscheidend ist, wie viele Wohnungen tatsächlich entstehen. Gut 11.000 fertiggestellte Wohnungen im vergangenen Jahr sind für Berlin schlicht zu wenig. Die Richtung stimmt an einigen Stellen, das Tempo aber noch nicht. Vor allem müssen wir privaten Bauherren und Investoren wieder mehr zutrauen und dürfen Erleichterungen nicht gleich durch neue Vorgaben und Regulierungen an anderer Stelle wieder zunichtemachen.
Aktuelle Umfragen sehen DIE LINKE in Berlin an der Spitze der Parteien. Was ist Ihre für die Immobilienwirtschaft günstigste Prognose?
Ich wünsche mir eine Mehrheit für eine Politik, die Eigentum schützt und gemeinsam mit der Immobilienwirtschaft mehr Wohnungen schaffen will. Vergesellschaftung, Sozialquoten und immer neue Vorgaben für Vermieter führen in die entgegengesetzte Richtung. Wer Eigentümern auf diese Weise begegnet, darf sich nicht wundern, wenn Investoren um Berlin einen Bogen machen. Ohne privates Kapital wird Berlin seinen Wohnungsmangel nicht lösen. Ich wünsche mir deshalb einen Senat, der privaten Eigentümern und Unternehmen wieder deutlich macht: Ihr seid Teil der Lösung.
Welche Signalwirkung für die Wohnungspolitik im Bund wird vom Berliner Wahlergebnis ausgehen?
Berlin ist bei der Wohnungspolitik längst mehr als ein lokaler Sonderfall. Was hier wohnungspolitisch ausprobiert wird, bleibt selten auf Berlin beschränkt. Das haben wir beim Mietendeckel erlebt, und wir sehen es jetzt bei Vergesellschaftung und weiteren Eingriffen in die Vermietung. Wenn solche Konzepte bei der Wahl starken Zuspruch bekommen, werden sich auch anderswo politische Kräfte ermutigt fühlen, diesen Weg zu gehen. Umgekehrt könnte von Berlin auch ein anderes Signal ausgehen: dass Wohnungsmangel nicht durch immer neue Regeln verschwindet. Wir brauchen mehr Wohnungen, und die entstehen nur, wenn Politik, Eigentümer und Unternehmen wieder stärker miteinander arbeiten.
Der Bund plant gegebenenfalls ein Gesetz, das die Vergesellschaftung von größeren Wohnungsbeständen untersagt. Halten Sie einen solchen Eingriff für zielführend?
Das politische Signal halte ich für richtig. Wir können nicht einerseits privates Kapital für den Wohnungsbau mobilisieren und andererseits darüber diskutieren, dieses Eigentum später zu vergesellschaften. Wer Enteignung zum politischen Instrument macht, vertreibt privates Kapital und erschüttert das Vertrauen in unsere freie und soziale Marktwirtschaft. Wie der Bund das rechtssicher regelt, muss sorgfältig aber zügig geprüft werden. Für mich ist entscheidend: Wer langfristig in Wohnungen investiert, muss darauf vertrauen können, dass sein Eigentum geschützt ist. Und im Übrigen schafft ein Eigentümerwechsel keine einzige zusätzliche Wohnung.
Grüne und Linke planen eine Sozialquote in der Bestandsvermietung. Welche Auswirkungen hätte dies? Und ist das überhaupt realistisch?
Berlin hat zu wenige Wohnungen. Sozialquoten verwalten diesen Mangel nur, sie lösen ihn nicht. Wir sprechen hier nicht über öffentlich geförderten Neubau, sondern über Wohnungen, die privaten Eigentümern gehören. Wenn der Staat bei Wiedervermietungen vorgibt, wer eine Wohnung bekommen soll und zu welchen Bedingungen, entscheidet der Eigentümer über sein Eigentum immer weniger selbst. Am Wohnungsmangel ändert das nichts. Im Gegenteil: Wer Vermietung immer komplizierter macht, senkt die Bereitschaft, in Wohnraum zu investieren. Ob die vorgesehenen Regelungen rechtlich Bestand hätten, wird man sehen.
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Erstveröffentlichung: The Property Post, September 2026