19.10.2026

Der Wettbewerb zwischen den Assetklassen

Dr. Till Friedrich, Geschäftsführer, Versorgungswerk der Apothekerkammer Schleswig-Holstein K.d.ö.R.
Dr. Till Friedrich

Dr. Till Friedrich über die Rolle von Infrastruktur, einen sorgfältigen Auswahlprozess und die Frage, woran sich gute Manager künftig messen lassen müssen.

Herr Dr. Friedrich, wie hat die Zinswende Ihre Sicht auf die Kapitalanlage verändert? 
Mit der Zinswende ist der Wettbewerb zwischen den Assetklassen zurückgekehrt. Liquide Anlagen sind wieder attraktiver geworden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass illiquide Investments ihren Mehrwert im Gesamtportfolio klar und nachvollziehbar zeigen. Infrastruktur finde ich in diesem Zusammenhang besonders interessant. Sie kann laufende, möglichst stabile und inflationsresistente Cashflows bieten und ist zugleich nur schwach mit klassischen Aktien- oder Rentenanlagen korreliert. Wir investieren indirekt über größere, international ausgerichtete Infrastruktur-Fonds. Dabei geht es um die Segmente Energie und Transport, aber auch um neuere Themen wie Rechenzentren. Wichtig ist uns die breite Streuung über Regionen, Sektoren und einzelne Projekte. Wir steuern die Anlage nicht nach einer einzigen Ausschüttungskennzahl, sondern schauen auf das Zusammenspiel aus laufenden Erträgen, Wertentwicklung, Risiko und der Rolle im Gesamtportfolio. 

Wie gehen Sie bei der Auswahl eines neuen Infrastrukturmanagers vor? 
Am Anfang steht die strategische Frage: Welche Art von Infrastruktur und welche Regionen passen überhaupt zu unserem Portfolio? Danach folgt ein breites Marktscreening. Aus einer größeren Gruppe wählen wir die Manager aus, mit denen wir dann vertieft in den Dialog gehen. Im eigentlichen Auswahlverfahren schauen wir natürlich auf den Track Record, aber genauso auf die Menschen dahinter. Wie stabil ist das Team? Wer hat die früheren Investments tatsächlich verantwortet? Und wie ist der Manager durch schwierige Marktphasen gekommen? Auch Kosten und Vertragsbedingungen gehören auf den Tisch. Besonders wichtig ist für uns zudem die Interessengleichheit zwischen Anlegern und Manager. Wir schauen uns genau an, in welchem Umfang das Management selbst investiert ist und ob Anreizsysteme langfristiges Handeln fördern. Am Ende ist so eine Entscheidung immer eine Mischung aus Zahlen, Erfahrung und Vertrauen. Der Prozess endet außerdem nicht mit der Zeichnung. Gerade im laufenden Reporting zeigt sich, wie transparent ein Manager mit Abweichungen umgeht – auch dann, wenn sich ein Investment nicht wie geplant entwickelt. 

Was gehört beim Thema Managerqualität 2027 auf die Agenda? 
Wenn ein Fonds oder einzelne Assets Schwierigkeiten haben, haben die Anleger nicht zwangsläufig dieselben Prioritäten. Genau dann zeigt sich, wie gut ein Manager unterschiedliche Interessen moderieren, klare Prioritäten setzen und einen belastbaren Weg nach vorn organisieren kann.  

Weiteres Thema ist der Einsatz von KI. Wir nutzen sie insbesondere für Zusammenfassungen, Recherche und Reporting. Auch Asset Manager können damit Prozesse effizienter gestalten. Spannend ist für mich dabei vor allem die Frage, wo konkret Zeit und Kosten eingespart werden und inwiefern Investoren von diesen Effizienzgewinnen profitieren. Gleichzeitig entsteht ein Personalthema: Wenn klassische Junioraufgaben durch KI unterstützt oder teilweise automatisiert werden, stellt sich für mich die Frage, wie Nachwuchskräfte künftig die Erfahrung sammeln können, die sie später für verantwortliche Positionen benötigen. Für mich gehört auch diese langfristige Teamentwicklung zur Qualität eines Managers. 

 

INVESTMENTexpo - DER KONGRESS FÜR IMMOBILIEN UND INFRASTRUKTUR-INVESTMENTS findet vom 2.-3. Juni 2027 im Zoo Palast Berlin statt.
Anmeldung und nähere Infos unter https://www.investmentexpo.de

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von The Property Post
Erstveröffentlichung: The Property Post, Oktober 2026

Konversation wird geladen