06.10.2026

Wohnen bleibt attraktiv -

aber nicht ohne aktive Wertschöpfung

Dirk Bratschke, Geschäftsführer, TeWo2 Verwaltungs GmbH | verantwortet das Wohungsunternehmen im, Family Office der Familie Tessner
Dirk Bratschke

Dirk Bratschke über langfristige Wohnungsbestände, die Grenzen energetischer Sanierung und den schwierigen Ausgleich zwischen Rendite und bezahlbarem Wohnen.
 

Herr Bratschke, wie erleben Sie das aktuelle Umfeld für Wohnungsinvestitionen? 
Die Immobilie lebt weiter, und Wohnen bleibt für uns grundsätzlich eine attraktive Anlage. Aber die Arbeit am Bestand ist deutlich anspruchsvoller geworden. Wir müssen energetisch sanieren, gleichzeitig steigen Baukosten und Zinsen, Förderbedingungen ändern sich und die Möglichkeiten, Investitionen über die Miete zu refinanzieren, sind begrenzt. Hinzu kommen lokale Vorgaben. Wenn zum Beispiel in einem Erhaltungsgebiet bestimmte Maßnahmen nicht genehmigt werden, obwohl sie energetisch sinnvoll wären, läuft etwas auseinander. Klimaziele, bezahlbares Wohnen und eine auskömmliche Rendite werden gleichzeitig eingefordert, aber die Kosten lassen sich nicht beliebig verteilen. Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Konflikt: Nicht, ob wir den Bestand weiterentwickeln wollen, sondern wie wir das wirtschaftlich vernünftig tun können. 

Was bedeutet das für Ihre eigene Strategie? 
Ein pauschaler Rückzug aus Immobilien kommt für uns nicht infrage. Ein großer Teil unseres Bestands ist langfristig ausgerichtet, und stabile Cashflows bleiben wertvoll. Wir schauen aber genauer hin und arbeiten aktiver mit den Immobilien. Das heißt: Daten und Prozesse ordnen, Leerstand abbauen, problematische Objekte früh erkennen, gezielt investieren und dann entscheiden, ob ein Objekt dauerhaft zu uns passt. Manchmal verkaufen wir eine Immobilie, manchmal kaufen wir bewusst etwas hinzu, bei dem wir Entwicklungspotenzial sehen. Der Vorteil eines Family Office ist dabei, dass wir nah am Objekt und an den Gesellschaftern entscheiden können. Wir müssen nicht jede Immobilie drehen. Der überwiegende Teil bleibt Buy-and-hold. Aber auch ein langfristiger Bestand braucht heute mehr Aufmerksamkeit und mehr aktive Wertschöpfung als noch vor einigen Jahren. 

Welche Diskussion würden Sie dazu gern auf der INVESTMENTexpo führen? 
Ich würde das Thema Wohnen ganz bewusst kontrovers besetzen. Auf der einen Seite brauchen Krankenschwestern, Busfahrer oder junge Familien bezahlbare Wohnungen in der Stadt. Auf der anderen Seite muss der Eigentümer sanieren, finanzieren und am Ende auch eine Rendite erzielen. Dazu kommen Fragen, die gesellschaftlich unbequem sind: Wie gehen wir etwa damit um, wenn eine einzelne Person in einer sehr großen, günstigen Wohnung lebt, während eine Familie keinen passenden Wohnraum findet? Solche Spannungen kann man nicht mit einem einzigen Instrument auflösen. Deshalb sollten Regulierung, Bestandshalter, Projektentwicklung und ein sozial orientierter Investor gemeinsam auf die Bühne. Mich interessiert weniger die nächste Grundsatzrede als die konkrete Frage: Wer kann welchen Beitrag leisten, wer trägt welche Kosten – und wo braucht es neue Lösungen? 

 

Herr Bratschke ist Beiratsmitglied der INVESTMENTexpo und unterstützt diese bei der inhaltlichen Gestaltung. 

INVESTMENTexpo - DER KONGRESS FÜR IMMOBILIEN UND INFRASTRUKTUR-INVESTMENTS findet vom 2.-3. Juni 2027 im Zoo Palast Berlin statt.
Anmeldung und nähere Infos unter https://www.investmentexpo.de

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von TeWo2 Verwaltungs GmbH
Erstveröffentlichung: The Property Post, Oktober 2026

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