10.08.2022

Verlässlichkeit ist wichtiger denn je

Holger Matheis, Sprecher des Vorstands, BEOS AG
Holger Matheis

TPP: Wie wichtig ist es für einen Projektentwickler, in der aktuellen Situation verlässliche Partner für die Umsetzung von Projekten zu haben?

Holger Matheis: In den vergangenen Jahren sind Projektentwicklungen aus vielen Gründen immer komplexer geworden – unter anderem durch Mischnutzungen anstelle von Mononutzungen, durch steigende Standards im Bereich ESG und immer umfangreicher werdende Revitalisierungen. Aber auch die Anforderungen des Gesetzgebers steigen stetig weiter – von Baurechtsthemen bis zum Lärm- und Brandschutz. Verlässliche Partner und funktionierende sequenzielle, also parallel laufende, Prozesse sind deshalb wichtiger denn je. In der aktuell schwierigen Situation ist es noch wichtiger, partnerschaftlich zu agieren und Kompetenzen sinnvoll zu bündeln. Besonders diejenigen Partnerschaften, die über langjährige Beziehungen entstanden sind, sind jetzt besonders wichtig. Schließlich kommt es mehr denn je auf Verlässlichkeit und Vertrauen an.

TPP: Macht es unter den gegebenen Umständen – stark gestiegene, schwer zu kalkulierende Materialpreise, gestörte Lieferketten, steigende Zinsen – mehr oder weniger Sinn, Planen und Bauen partnerschaftlich zusammenzuführen?

HM: Auf jeden Fall mehr – sei es in Form von „Design & Build“ oder auch Planungswerkstätten. Je früher der Generalunternehmer mit an den Tisch geholt wird, desto mehr kann er seine Expertise dazu einbringen, wie selbst in Zeiten explodierender Baukosten und unterbrochener Lieferketten Projekte innerhalb des Zeit- und Kostenrahmens fertiggestellt werden können. Wichtig dabei ist allerdings auch, dass alle Projektbeteiligten nun gedankliche und unternehmerische Flexibilität zeigen, da in der aktuellen Situation nicht jedes kleine Detail vorausgeplant werden kann – oder auch in einigen Fällen eine Umplanung vorgenommen werden muss, die vorher nicht absehbar war. Dies erfordert ein Mitziehen der Planer, und nicht etwa ein starres Festhalten an der eigenen Position.

TPP: BEOS ist unter anderem auf die Neupositionierung von ausgedienten Gewerbearealen spezialisiert. Sind bei solchen umfassenden Revitalisierungen partnerschaftliche Modelle hilfreich?

HM: Auf jeden Fall – wobei ich das Wort „partnerschaftlich“ hierbei auf verschiedene Arten interpretieren würde. Zum einen hilft es uns, dass wir als Teil von Swiss Life Asset Managers von einem paneuropäischen Netzwerk und einer großen Kapitalkraft profitieren, um auch große Areale schnell und zuverlässig ankaufen zu können. Aber partnerschaftliches Vorgehen bei Revitalisierungsprojekten heißt auch, dass wir mit anderen Gesellschaften, also beispielsweise auf der Verkäuferseite, Joint Ventures eingehen, um gemeinsam am Projekterfolg zu partizipieren. Was die Kooperation mit den Kommunen betrifft, zeigen wir uns gegenüber Erbpachtmodellen sehr aufgeschlossen – einen solchen Erbbauvertrag haben wir beispielsweise für unsere großformatige Entwicklung in Frankfurt-Griesheim abgeschlossen, um das mehr als 730.000 Quadratmeter umfassende Areal zu einem modernen Gewerbegebiet zu revitalisieren.

TPP: Auf welche Hindernisse stoßen partnerschaftliche Planungs- und Baumodelle in Deutschland?

HM: Das kommt auf den jeweiligen Fall an. Eine mögliche Hürde ist die Vergabepraxis (sowohl bei der Bauvergabe als auch bei Planungsaufträgen). Dies betrifft vor allem öffentliche Projekte. Aufgrund der eng gesetzten Vorgaben sind partnerschaftliche Modelle oft nicht verfügbar. Aufseiten der Immobilienwirtschaft hingegen wird manchmal noch unterschätzt, wie wichtig es ist, auch physisch zusammenzukommen, um sich gemeinsam der Intensiv- und Kreativarbeit zu widmen. Denn jedes noch so innovative Modell kann nur dann funktionieren, wenn auch im täglichen strategischen und operativen Geschäft partnerschaftlich zusammengearbeitet wird. Deswegen sehen wir bei BEOS unsere externen Dienstleister als festen Teil unserer physischen sowie digitalen Projektwerkbank.

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von BEOS AG
Erstveröffentlichung: The Property Post, August 2022

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