In Berlin fehlt es an Vertrauen zwischen Branche, Zivilgesellschaft und Politik, sagt Petra Müller, Vorstandsvorsitzende der Liberalen Immobilienrunde.
Frau Müller, als ehemalige Bundestagsabgeordnete gehen Ihre politischen Erfahrungen weit über Berlin hinaus. Haben Sie den Eindruck, dass die Gräben zwischen Immobilienbranche, Landespolitik und politisch aktiver Zivilgesellschaft besonders tief sind?
Ja, in Berlin sind die Fronten teilweise stärker ausgeprägt als anderswo – aber sie sind nicht naturgegeben. Berlin erlebt seit Jahren einen stark emotionalisierten wohnungspolitischen Diskurs. Das hat wirtschaftliche, soziale und historische Gründe. In Berlin gibt es viele Ein-Personen-Haushalte, darunter zahlreiche Menschen auf Transferleistungen. Auch der große Niedriglohnsektor erhöht den Bedarf an günstigem Wohnraum.
Zudem prägen linke Milieus den Diskurs. Der Zuzug junger Menschen und ihre politischen Präferenzen begünstigen Akteure, die die Stadt als Experimentierfeld sehen – etwa bei Mietendeckel oder Vergesellschaftung.
Immobilienbestandshalter und Projektentwickler hingegen sind auf Rechts- und Eigentumssicherheit angewiesen und reagieren auf politische Unsicherheit zunehmend zurückhaltend.
In der Folge sehen sich Investoren, Politik und Mieter immer stärker über ihre Gegensätze definiert. Tatsächlich brauchen wir aber alle drei Seiten: private Investitionen, handlungsfähige Politik und gesellschaftliche Akzeptanz. Mein Eindruck ist: Der größte Mangel ist nicht Geld, sondern Vertrauen.
Welche wohnungspolitische Auseinandersetzung der vergangenen Jahre war besonders tiefgreifend?
Am prägendsten war sicher die Debatte um den Mietendeckel – rechtlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Sie hat gezeigt, wie groß der politische Druck ist, aber auch, dass Symbolpolitik keine Wohnungen schafft, sondern im Ergebnis dafür sorgt, dass weniger Mietwohnungen angeboten werden. Man kann sagen: Der Mietendeckel hat vielen privaten Vermietern die Lust an der Vermietung genommen. Wer will sich auch schon als „Mietenmonster“ diffamiert sehen?
Ebenso tiefgreifend war und ist die Diskussion um Vergesellschaftung, weil sie Grundfragen unseres Wirtschafts- und Rechtsstaats berührt, ohne dass es dafür eine wirtschaftliche und soziale Notwendigkeit gibt. Die betreffenden Unternehmen sind nicht marktbeherrschend, noch liegen die Mieten deutlich über dem Berliner Durchschnitt. Das zeigt: Mit der Vergesellschaftung soll etwas durchgezogen werden, weil es geht, beziehungsweise weil man den Berliner Wählern eingeredet hat, dass es gehen könnte.
Zudem erweist sich der aktuelle Wahlkampf als extrem polarisierend. Die LINKE fokussierte sich schon Beginn auf den Kampf gegen die „Mietenmafia“. Und die anderen Parteien, wollen dem im Ringen um die Stimmen der Mieter nach Möglichkeit nicht nachstehen, weshalb die Branche eher unter Generalverdacht gestellt wird, als sonst während der Legislatur.
Sie haben vor einigen Jahren die Liberale Immobilienrunde wieder mit zum Leben erweckt. Welche Zielsetzung hat der Verein aktuell und welche Erfolge können Sie vorweisen?
Wir haben die Liberale Immobilien Runde reaktiviert, um wieder eine Plattform für sachorientierten Austausch zu schaffen. Unser Ziel ist es, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Fachöffentlichkeit zusammenzubringen. Wir wollen Brückenbauer sein. Wir messen unsere Erfolge nicht nur in Schlagzeilen, sondern darin, dass Gesprächsfäden entstehen beziehungsweise wieder aufgenommen werden, Positionen Gehör finden und Reformideen in politische Prozesse einfließen.
Was würde sich wohnungspolitisch ändern, wenn die FDP wieder ins Abgeordnetenhaus einziehen und an der Regierung beteiligt sein würde?
Mit liberaler Regierungsbeteiligung gäbe es einen stärkeren Fokus auf Angebotsausweitung statt auf Verteilungskämpfe. Also: schnellere Genehmigungen, weniger Baukosten durch Deregulierung, digitale Verwaltung, mehr Nachverdichtung, mehr Eigentumsbildung und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen. Wohnen wird nur bezahlbar, wenn mehr gebaut wird. Persönlich würde ich mich darüber hinaus dafür einsetzen, dass die Fördermittel des Bundes für den sozialen Wohnungsbau wieder in Bauprojekte fließen. Das Land Berlin nutzt diese seit mehr als einem Jahrzehnt für andere soziale Zwecke. Das scheint langfristig nicht nachhaltig und sollte deshalb wieder geändert werden.
Bei welchem Wahlergebnis würden Sie Berlin verlassen?
Berlin verlässt man nicht wegen eines Wahlergebnisses – eher wegen zu langsamer Baugenehmigungen, oder weil sich sonst in der Stadt nichts mehr bewegt. Davon sind wir jedoch weit entfernt. Ich bin Optimistin. Demokratie lebt von Wechseln und Debatten. Deshalb würde ich Berlin wegen eines Stimmergebnisses selbstverständlich nicht verlassen, sondern mich weiter engagieren.
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Erstveröffentlichung: The Property Post, April 2026