03.02.2026

Wohnungsbau muss prioritär sein

Berlins Zukunft entscheidet sich beim Wohnen

Martin Schaefer, Bezirksbürgermeister von Berlin-Lichtenberg,
Martin Schaefer

Herr Schaefer, welchen Stellenwert wird das Thema Wohnen in diesem Wahlkampf einnehmen? 
Die Frage ob es uns gelingt, genügend Wohnraum für die Menschen zu schaffen, ist entscheidend für die weitere Entwicklung Berlins. Entsprechend hat das Thema auch im Wahlkampf eine entscheidende Bedeutung.

Sehen Sie sich diesbezüglich im Bezirk gut aufgestellt? 
Wir haben aktuell 18 größere Wohnungsbauvorhaben in der Prüfung, die wir prioritär und an der Kapazitätsgrenze unserer Verwaltung bearbeiten. Mit anderen Worten: Wir machen, was machbar ist. Und das sollten Politik und Verwaltung ja letztlich für die Menschen auch tun. Dafür sind wir da.

Als Mittel zur Beschleunigung von Planungsverfahren hat Ihnen der Bundesgesetzgeber jetzt den Bauturbo ins Regal gelegt. Werden Sie den Turbo auch einbauen?  
Als Bezirk werden wir von der optionalen Vereinfachung des Planungsrechts sicher Gebrauch machen. Das heißt: Stand heute prüfen wir jedes Projekt, ob eine Anwendung des Bauturbo sinnvoll ist. Die Beantwortung dieser Frage hängt nicht zuletzt von der vor Ort vorhandenen sozialen Infrastruktur ab. Gibt es genug Schul- und Kitaplätze, eine ausreichende Nahversorgung sowie Freizeit-, Grün und Sportflächen, werden wir die Planung beschleunigen. Macht der potenzielle Zuwachs der Wohnbevölkerung durch größere Projekte die Schaffung zusätzlicher Infrastruktur erforderlich, werden wir allerdings in der Regel auch weiterhin zunächst einen B-Plan aufstellen. Denn bei der derzeitigen Wirtschafts- und Etatlage in Berlin können Schulen und Kitas nicht allein von der öffentlichen Hand errichtet werden. Hier brauchen wir partnerschaftliche Vereinbarungen und die bekommen wir nur über ein B-Plan-Verfahren. 

Was wünschen Sie sich von den Entwicklungsunternehmen, wenn sie mit einer Planung zu Ihnen kommen und in Lichtenberg bauen wollen? 
Zunächst einmal ist jede Idee willkommen. Was die Umsetzung aber oft unnötig erschwert ist die gegenwärtige Salamitaktik in den Besprechungen. Investoren wie Verwaltung tendieren dazu, ihre gegenseitigen Forderungen scheibchenweise vorzutragen, ein Staffelgeschoss mehr hier, eine Grünanlage oder ein Spielplatz dort. Das zieht die Verfahren unnötig in die Länge. Von den Investoren, wie auch von meiner Verwaltung wünsche ich mir daher, dass sie ihre Vorstellungen gleich zu Anfang vollständig auf den Tisch legen. Dann kann man auch gleich zu Anfang klar und ehrlich miteinander sprechen. 

Wie sehen Sie die Akzeptanz von Wohnungsbauvorhaben in Ihrem Bezirk? 
Wohnungen sind nicht nur Beton, wie die Gegner von Wohnungsbauvorhaben gern behaupten, sondern ein künftiges Zuhause von Menschen. Das gerät vielfach aus dem Blick. In diesem Sinne würde ich mir wünschen, dass die Bürger stärker erkennen, dass der Bau von Wohnungen an einem ganz bestimmten Ort zwar auch mal prioritär ist, weil dort keine Wohnungen zu bauen, den gesellschaftlichen Frieden gefährdet.   

 

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von RUECKERCONSULT GmbH
Erstveröffentlichung: The Property Post, Februar 2026

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