27.07.2026

Berlin? Entspannt Euch!

Philip C. Hetzer, Geschäftsführender Gesellschafter, Dahler Invest
Philip C. Hetzer

Das Gros der Berliner Mieter ist in zwei Welten unterwegs. Während sie im Alltag ein zumeist wohnliches Zuhause in einer nicht immer funktionierenden Stadt haben, werden sie in der Öffentlichkeit darüber informiert, dass ihre Vermieter geldgierige Subjekte mit einem leistungslosen Einkommen sind, die die Mieten in immer höhere Regionen und die Mieter in den Ruin treiben. Ruhig schlafen können Berliner Mieter demnach nur noch unter den Dächern kommunaler Wohnungsbaugesellschaften. Daher führe an einer Vergesellschaftung kein Weg vorbei, so dass Mantra von Mieteraktivisten und linker Politik. Und so ähnlich lesen sich dann auch die Wahlprogramme in der Hauptstadt. 

Dabei ist, wer eine Wohnung hat, in Berlin sicherer als in den meisten anderen Städten. Selbst, wer monatelang seine Miete nicht zahlt, findet hier einen so starken gesellschaftlichen und politischen Rückhalt, dass sein Vermieter trotz wirtschaftlicher Verluste von Sanktionen absieht. Von solchen Wahrheiten möchten die Parteien in der Regel wenig hören. Bis hinein in die CDU regiert die Klientelpolitik, weil Mieter eine mächtige Wählergruppe sind. 

Das Problem ist nur, dass die strikte Regulierung zuvor geringer Bestandsmieten die Differenz zu den Neuvertragsmieten auf etwa 100 Prozent hat anschwellen lassen. Da zieht kein Mensch mehr um, selbst wenn er nur noch die Hälfte seiner Wohnung nutzt. Zugleich erwächst aus der hohen Differenz und dem geringen Alternativangebot ein Schreckensszenario, das jede mögliche Veränderung der Wohnsituation als existenzbedrohend erscheinen lässt: Man kann in Berlin Mietshäuser nicht mehr sanieren oder kaufen, ohne dass sich die Politik und Aktionsbündnisse dafür interessieren. Das schaffen nur noch Eigentümer, die sich mit ihren Mietern so gut verstehen, dass diese wegen einer bauliche Verbesserung ihrer Wohnsituation nicht an die Öffentlichkeit gehen.  

Nur ist es leider so, dass Mieter ihren Vermieter immer seltener zu Gesicht bekommen. Denn immer häufiger hat der die Arbeit an seinen Häusern einer unter Rationalisierungsdruck stehenden Verwaltung übergegeben. Mit dieser kommunizieren die Mieter über Kontaktformular und Hotline mit beruhigender Warteschleifenmusik, das provoziert Stress – auf den die Mieter bei Bedarf mit Chatgruppen und Mieterinitiativen reagieren. Das gilt im Grunde bundesweit. In Berlin kommt allerdings noch hinzu, dass man hier üblicherweise nicht als Vermieter erkannt werden will, um Belästigungen zu entgehen und weil die Geringschätzung des Hauswirts zum guten Ton gehört. 

Fazit: Die Berliner Wohnungsnot resultiert aus einer Anspannung, die sich so leicht nicht lösen lassen wird, weil sowohl die Kommunikationsbedingungen als auch das politische Kalkül eine Entspannung erschweren. Aber vielleicht hilft es ja schon, wenn die Hauptstadt bald nur ein Stück aus dem Wahlkampf- und Vergesellschaftungsmodus kommt. Mir jedenfalls ist es unverständlich, dass man mit einem Mandat oder einer Regierungsbeteiligung belohnt wird, weil man Öl in ein lichterloh brennendes Feuer zu schüttet.  

Die Nutzungsrechte wurden The Property Post zur Verfügung gestellt von DAHLER Invest
Erstveröffentlichung: IMMOBILIEN ZEITUNG 23.7.2026, Ausgabe 30/2026

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